Interne Trainer und Berater einsetzen – Was sind die Anforderungen?

Interne Trainer und Berater einsetzen

Beim Managen der Change- und Qualifizierungsprojekte in ihrer Organisation setzen die Unternehmen verstärkt auf firmeninterne Trainer und Berater. Diese haben im Betriebsalltag oft eine unterschiedliche Funktion. Das gilt es bei ihrer Auswahl und Qualifizierung zu beachten.

Firmeninterne Trainer und Berater haben gegenüber externen unter anderem folgende Vorzüge:

  • Sie kennen die Kultur, Historie und Arbeitsabläufe in der Organisation.
  • Sie sind in der Organisation verankert und verfügen über ein firmeninternes Netzwerk.
  • Sie sind bei akuten Problemen stets erreich- und ansprechbar. Und:
  • Sie sind Kollegen, zu denen die Betroffenen Vertrauen haben.

Diese Vorzüge sind bei der Strategieumsetzung im Betriebsalltag von unschätzbarem Wert.

Interne Trainer ermöglichen andere Trainingsdesigns

Hinzu kommt ein weiterer Vorzug: Weil die firmeninternen Berater sozusagen jederzeit zur Verfügung stehen, lassen sich mit ihnen oft arbeitsplatznähere und bedarfsorientiertere Trainingsdesigns schmieden als mit externen Unterstützern – ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen.

Hierfür ein Beispiel. Angenommen ein Unternehmen möchte seine Vertriebsmitarbeiter schulen, den Markt selbstständiger zu bearbeiten. Dann kann es, sofern interne Trainer mit der nötigen Qualifikation zur Verfügung stehen, beispielsweise beschließen: Wir vermitteln unseren Vertriebsmitarbeiter zunächst in einem halbtägigen Seminar das Basiswissen, und danach schulen wir sie alle zwei Wochen freitagnachmittags, wenn wenig los ist, zwei Stunden – zum Beispiel zu solchen Themen wie den Bedarf von Kunden ermitteln und Angebote nachfassen.

Die Vorteile eines solchen Designs sind:

  • Das benötigte Wissen und Können wird den Mitarbeitern in leicht verdaulichen Häppchen vermittelt. Und:
  • Bei den regelmäßigen Treffen kann gecheckt werden, inwieweit es den Mitarbeitern gelang, ihr neues Wissen in die Praxis zu übertragen und welche Probleme es hierbei gab.

Dadurch entsteht eine größere Verhaltenssicherheit, als wenn ihnen das Wissen sozusagen „en bloc“ vermittelt wird.

Diese Vorzüge haben viele Unternehmen erkannt. Also bilden sie zunehmend Mitarbeiter zu Trainern und Beratern bzw. Lernbegleitern ihrer Kollegen aus – primär um mehr Kompetenz in Sachen Strategieumsetzung und Mitarbeiterqualifizierung im eigenen Haus zu haben.

Die Funktion der Trainer und Berater divergiert

Beim Aus- und Weiterbilden dieser Trainer und Berater gilt es jedoch zu beachten: Sie haben oft verschiedene Funktionen in ihrer Organisation. Also benötigen sie auch unterschiedliche Kompetenzen.

Unter anderem lassen sich folgende Gruppen firmeninterner Trainer und Berater unterscheiden:

  1. Fachtrainer,
  2. Verhaltenstrainer sowie
  3. Changecoaches und -berater.
  1. Fachtrainer

Sie sind in erster Linie Vermittler von Wissen, Erfahrung und Skills. Sie kommen zum Beispiel zum Einsatz, wenn neue Mitarbeiter eingearbeitet werden sollen; außerdem, wenn Unternehmen neue Technologien, Verfahren oder Produkte einführen, und Mitarbeitergruppen das nötige Wissen und Können vermittelt werden soll, um beispielsweise mit den neuen Maschinen oder Software-Programmen zu arbeiten. Diese Trainer müssen vor allem fachlich fit sein. Sie müssen zudem wissen: Wie lernen Erwachsene? Und: Wie kann man bei ihnen Lernprozesse stimulieren?

Diese Trainer arbeiten oft mit fix und fertig ausgearbeiteten Trainingskonzepten, die beispielsweise die HR-Abteilung erstellte. Ist dies nicht der Fall, sollten sie zudem wissen: Wie können komplexe Themen so aufbereitet werden, dass die Inhalte vermittelbar sind? Außerdem: Wie präsentiere ich Lerninhalte so, dass dies die Teilnehmer motiviert? Sie sollten auch wissen: Wie stelle ich sicher, dass das Gelernte im Betriebsalltag umgesetzt wird?

  1. Verhaltenstrainer

Sie kommen beispielsweise zum Einsatz, wenn das Ziel einer Qualifizierungsmaßnahme lautet: Die Mitarbeiter sollen

  • stärker als Team agieren oder
  • kundenorientierter denken und handeln.

Das heißt, bei Qualifizierungsmaßnahmen, die auch auf eine Einstellungs- und Verhaltensänderung der Teilnehmer abzielen. Deshalb benötigen sie außer den Kompetenzen, über die ein guter Fachtrainer verfügt, weitere Fähigkeiten. Ihnen sollte zum Beispiel bewusst sein, dass Menschen ihre Einstellung und ihr Verhalten in der Regel nur ändern, wenn sie die Notwendigkeit hierzu erkannt haben und die Änderung auch persönlich als Gewinn erfahren. Entsprechend groß sollte das Einfühlungsvermögen der Verhaltenstrainer sein.

Verhaltenstrainern sollte zudem bewusst sein: Es dauert stets einige Zeit, bis Menschen neue Denk- und Verhaltensroutinen entwickelt und verinnerlicht haben. Einen entsprechend großen Raum sollte in ihren Maßnahmen das Trainieren, also Einüben des gewünschten Verhaltens, einnehmen – sonst verfallen die Teilnehmer rasch wieder in ihre gewohnten Verhaltensmuster.

  1. Changecoaches und -berater

In den letzten Jahren erkannten viele Unternehmen:

  • Das Thema Veränderung wird uns in der sogenannten VUKA-Welt dauerhaft begleiten. Und:
  • Der Veränderungs- und somit Lernbedarf in unserer Organisation ist heute so groß, dass wir firmenintern mehr Mitarbeiter brauchen, die Veränderungsprozesse planen und steuern sowie Kollegen bei Lernprozessen begleiten können.

Sie erkannten zudem: Der Lernbedarf unserer Mitarbeiter ist heute oft so verschieden, dass er immer seltener durch zentral organisierte Qualifizierungsmaßnahmen befriedigt werden kann. Also muss sich die Kompetenz zum Planen und Steuern der Qualifizierungsmaßnahmen auf die operative Ebene verlagern.

Deshalb bilden die Unternehmen verstärkt auch Führungskräfte und erfahrene Fachkräfte zu sogenannten Changecoaches bzw. -beratern aus, die ihre Mitarbeiter bzw. Kollegen

  • beim Ermitteln ihres (Weiter-)Qualifizierungsbedarfs sowie
  • beim Entwickeln der (künftig) benötigten Kompetenzen

unterstützen.

Ein genaues Anforderungsprofil erstellen

Für alle vorgenannten Gruppen firmeninterner Trainer und Berater besteht in den Unternehmen ein wachsender Bedarf. Da ihre Funktion in den Unternehmen jedoch sehr verschieden, gilt es bei ihrer Auswahl und Qualifizierung genau darauf zu achten, zu welcher Gruppe von Beratern die Kandidaten zählen. Sonst zielt ihre Qualifikation am Bedarf vorbei und ihr Handeln entfaltet nicht die gewünschte Wirkung.

Über den Autor:

Messerschmidt-DetlefDr. Detlef Messerschmidt ist Inhaber des Beratungsunternehmens Messerschmidt Training, Darmstadt, das sich auf das Aus- und Weiterbilden sowie Zertifizieren von Fachtrainern (wie z.B. Produkt-, Technik-, IT-Trainer) spezialisiert hat.

 
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