Mitarbeiter richtig führen in Krisen-Zeiten

Mitarbeiter richtig führen in Krisen-Zeiten

Sind die Auftragsbücher eines Unternehmens prall gefüllt, dann herrscht in ihm meist eitel Sonnenschein. Anders ist es, wenn plötzlich die Umsätze und Erträge wegbrechen. Dann wird die Führungsmannschaft auf eine harte Probe gestellt.

Immer wieder geraten Unternehmen in Situationen, in denen sie auf die Kostenbremse treten, ihre Organisation umbauen und im Extremfall sogar Mitarbeiter entlassen müssen. Zum Beispiel, weil sich ihre Märkte verändert haben. Dann zeigt sich, was ihre Führungsmannschaften wirklich taugen. Denn dann treten nicht nur die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich zu Tage, sondern die Mitarbeiter erwarten von ihren Vorgesetzten auch Orientierung und Halt.

Einige Maximen, die Führungskräfte in schlechten Zeiten beherzigen sollten:

  1. Offen kommunizieren: Ihre Mitarbeiter sind nicht dumm. Sie spüren es schnell, wenn im Gebälk eines Unternehmens ein Feuer zu knistern anfängt. Sei es, weil das Arbeits- oder Auftragsvolumen sinkt oder die Chefs zusehends nervöser werden und bisher selbstverständliche Privilegien in Frage stellen. Informieren Sie Ihre Mitarbeiter deshalb früh, wenn Ihr Unternehmen in der Krise steckt, denn nur dann können Sie diese als Mitstreiter bei deren Bewältigung gewinnen.
  2. Ehrlich sein: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter offen über die möglichen Auswirkungen der Krise – ohne Horrorszenarien zu entwerfen. Denn nichts verunsichert die Mitarbeiter so sehr, wie wenn sie nicht einschätzen können: Ist der Brand ein Strohfeuer? Ist er auf den Dachstuhl begrenzt oder wird er auch andere Teile des Hauses erfassen? Hat er Auswirkungen auf meine Arbeitssituation? Dann brodelt die Gerüchteküche, und das Feuer wird – in den Köpfen der Mitarbeiter – immer größer. Informieren Sie die Mitarbeiter auch darüber: Welche Maßnahmen werden bzw. wurden bereits ergriffen, um den Brand zu löschen?
  3. Rückgrat zeigen: Stehen Sie zu den Entscheidungen, die Sie getroffen haben, um die Krise zu meistern – selbst wenn diese für einige Mitarbeiter negative Auswirkungen haben. Verstecken Sie sich zum Beispiel nicht hinter dem Vorstand im fernen New York. Und tun Sie nicht so, als hätten die Banken Ihre Entscheidungen getroffen. Dies mindert Ihre Glaubwürdigkeit, und Sie zeigen keine Führungs-Kraft.
  4. Fair bleiben: Appellieren Sie möglichst selten an das kollektive Wir-Gefühl, um mehr Leistung aus den Mitarbeitern herauszupressen. Denn dann fühlen sie sich zu Recht genarrt, wenn zum Beispiel Entlassungen folgen. Wecken Sie auch nicht die Illusion, als gingen aus der Veränderung alle Beteiligten als Gewinner hervor. Denn bei jedem Veränderungsprozess gibt es auch Verlierer.
  5. Orientierung geben: Stimmen Sie nicht in das allgemeine Krisen- oder Konjunkturgejammer ein, wenn Sie mit Ihren Mitarbeitern zusammensitzen. Zeigen Sie ihnen Wege auf, wie die Krise gemeistert werden kann. Schildern Sie ihnen anhand konkreter Beispiele, wie Ihr Unternehmen (oder andere) schon ähnliche Krisen gemeistert haben, damit Ihre Mitarbeiter spüren: Erfolg ist machbar.
  6. Halt bieten: Vereinbaren Sie mit Ihren Mitarbeitern klare Ziele und konkrete Maßnahmen, was sie tun sollen, um ihren Beitrag zum Meistern der Krise zu leisten. Definieren Sie mit ihnen Meilensteine, die es auf dem Weg aus der Krise zu passieren gilt; außerdem konkrete Aktivitäten, die sie ergreifen sollen, damit die Meilensteine erreichen werden.
  7. Konsequent sein: Kontrollieren Sie zwischenzeitlich, ob die Mitarbeiter auf dem richtigen Weg sind, und schreiten Sie sofort ein, wenn Sie registrieren, dass Einzelne die Stimmung der Kollegen mit Krisengerede „vergiften“. Bitten Sie den Mitarbeiter dann zu einem Vier-Augen-Gespräch und fragen Sie ihn: „Wie beurteilen Sie unsere Erfolgsaussichten?“ Wenn er dann jammert, sagen Sie zu ihm: „Wir haben zwei Möglichkeiten: entweder uns ins Schicksal zu ergeben und zuzuschauen, wie alles noch schlechter wird, oder dafür zu sorgen, dass alles besser wird. Welchen Weg bevorzugen Sie?“ Mit Sicherheit bevorzugt der Mitarbeiter den zweiten Weg. Dann können Sie mit ihm vereinbaren, was er tun kann, um seinen Beitrag zum Verbessern der Situation zu leisten. Tut er dies nicht, ziehen Sie die nötigen Konsequenzen.
  8. Erfolge feiern: Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über (Teil-)Erfolge, die beim Bewältigen der Krise erzielt wurden, und lassen Sie eventuell auch mal die „Sektkorken“ knallen. Das motiviert sie und spornt sie an und vermittelt ihnen das Gefühl: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Krisen und Marktumbrüche als Chance nutzen – 7 Tipps

  1. In „Krisenzeiten“ strukturiert sich der Markt neu. Hieraus ergeben sich auch neue Chancen für Ihr Unternehmen.
  2. Auch wenn Ihr Unternehmen in der Krise steckt, ist dies eine Chance – zum Beispiel, um endlich nötige Veränderungen einzuleiten. Denn nun ist für jeden einsichtig: Es muss etwas geschehen.
  3. Hegen Sie nicht die Illusion: Unternehmerische (Zukunfts-)Entscheidungen könnten im Konsens getroffen werden. Sie beruhen stets auf Annahmen, wie sich der Markt/Ihr Unternehmen künftig entwickelt. Deshalb können sie meist nur mit Macht getroffen werden.
  4. Werfen Sie beim Umsetzen der getroffenen Entscheidungen, Ihre gesamte Autorität in Waagschale, damit allen Beteiligten deutlich wird: Wir müssen und wollen diesen Prozess durchlaufen.
  5. Erliegen Sie nicht dem Irrglauben: Wenn ich entschlossen handle und meine Führungs-MACHT aktiv nutze, zeige ich ein autoritäres Verhalten. Nein, indem Sie so handeln, nehmen Sie nur Ihre Aufgabe als Führungs-KRAFT wahr.
  6. Bedenken Sie: Bei jedem Veränderungsprozess gibt es Gewinner und (zumindest gefühlte) Verlierer. Deshalb sind Widerstände normal.
  7. Minimieren Sie die Widerstände, indem Sie im Gespräch mit Ihren Mitarbeitern für die Veränderung werben und nochmals werben – unter anderem, indem Sie ihnen die Chancen aufzeigen, die sich aus der Veränderung ergeben, und welche Konsequenzen es hätte, wenn diese nicht erfolgen würde.

Über den Autor:

Kraus, GeorgDr. Georg Kraus ist geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Dr. Kraus & Partner, Bruchsal. Er ist unter anderem Lehrbeauftragter an der Universität Karlsruhe, der IAE in Aix-en-provence, der St. Gallener Business-School und der technischen Universität Clausthal.

 
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