Positive Leadership: Mehr als ein Modetrend?!

Positive Leadership: Mehr als ein Modetrend
Lesedauer: 4 Minuten

In unserer von Unsicherheit und rasanter Veränderung geprägten Welt wird Positive Leadership zu einem Schlüsselfaktor für den Erfolg von Unternehmen. Warum erläutern die Autoren des Buchs „Positiv führt! Mit Positive Leadership Teams und Organisationen empowern“ im folgenden Interview.

? Frau Meyer, Herr Nesemann und Herr Werner, warum propagieren Sie ein Positive Leadership?
Elke Katharina Meyer: Wir leben in einer Zeit, in der eine langfristige Planung immer schwieriger wird und die Mitarbeitenden der Unternehmen – top-down – in immer kürzeren Zeitabständen vor neuen Herausforderungen stehen. Daran wird sich 2026 nichts ändern.

? Stimmt, das haben die Ereignisse seit Jahrbeginn bereits bewiesen?

Meyer: Deshalb bedarf heute mehr denn je eines Führungsstils, der die Menschen mitnimmt, sie inspiriert und ihnen hilft, ihre Hoffnung und Zuversicht nicht zu verlieren. Positive Leadership leistet genau das: Es

  • schafft die Basis für ein wechselseitiges Vertrauen,
  • bewahrt bzw. steigert die Motivation auch in schwierigen Zeiten und
  • erhöht die Resilienz, also Widerstandskraft der Mitarbeitenden.

? … und ermöglicht die nötigen Veränderungen?

Frank Nesemann: Ja. Wir arbeiten seit Jahren als Berater, Trainer und Coaches für Profit- und Non-Profit-Organisationen und sehen dabei immer wieder, wie wichtig gerade in einem von rascher und starker Veränderung geprägten Umfeld ein werteorientierter, zukunftsfähiger Führungsstil ist.

Aus gespürter Wertschätzung erwächst Vertrauen

? Gilt das auch für die Unternehmen, die zurzeit ihre Organisation umbauen und zum Teil sogar Personal abbauen. Ist unter solchen Rahmenbedingungen ein Positive Leadership überhaupt möglich?
Thomas Achim Werner: Es ist nicht nur möglich, es ist sogar unverzichtbar. Gerade in Krisenzeiten bzw. Zeiten des Umbruchs ist ein fairer, menschlicher Umgang miteinander für den Erfolg von Unternehmen wichtig. Denn nur wenn die wegweisenden Entscheidungen transparent getroffen, offen kommuniziert und respektvoll umgesetzt werden, bleibt auch bei großen, oft schmerzhaften Einschnitten das Vertrauen der Mitarbeitenden bestehen.

Nesemann: Kleinere und mittelständische Unternehmen sind hierbei im Vorteil.

Auch in Krisenzeiten fair und menschlich bleiben

? Warum?

Nesemann: Sie können in Krisenzeiten schneller agieren und zum Beispiel den Schwebezustand, der oft mit einem Personalabbau einhergeht, zügiger beenden.

? Ein Zustand, der vermutlich von allen Betroffenen, auch den letztlich verbleibenden Mitarbeitern als belastend empfinden wird?

Meyer: Ja, deshalb müssen auch sie den Trennungsprozess als fair gestaltet erleben. Denn wenn sie das Gefühl haben, die Trennung von meinen Kollegen verläuft unfair, bleibt bei ihnen das Misstrauen zurück: Mir ergeht es irgendwann vielleicht ähnlich.“ Das mindert ihre Identifikation mit dem Unternehmen und ihr Engagement.

? Positive Leadership scheint speziell bei Dienstleistungsunternehmen einen großen Zuspruch zu finden.

Nesemann: Das stimmt. Zumindest Vorreiter beim Versuch, die Erkenntnisse der Positiven Psychologe im Führungsbereich anzuwenden, waren in der Vergangenheit oft Organisationen, bei denen Menschen für Menschen arbeiten – wie Schulen, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Aber auch Dienstleister wie Banken und Versicherungen setzen häufig auf diesen Führungsstil.

Die Menschen und ihre Beziehungen stärken

? Warum?
Werner:
Der Erfolg von Dienstleistungsunternehmen hängt zumeist unmittelbar von der Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen ab. Denn Mitarbeitende, die sich wertgeschätzt fühlen, strahlen dies auch im Kundenkontakt aus; sie engagieren sich zudem stärker im Team.

Meyer: Hinzu kommt, Unternehmen, die Dienstleistungen für andere Menschen erbringen, können ihren Mitarbeitenden oft leichter, den Sinn hinter ihrer Arbeit vermitteln – über das reine Geldverdienen hinaus. Das wirkt sich ebenso wie Wertschätzung positiv auf das Engagement der Mitarbeitenden aus.

Die Eigeninitiative der Mitarbeitenden stärken

? Und wie verhält es sich in Produktionsunternehmen? Werden dort diese Führungsprinzipien auch angewendet?
Werner:
Ja, denn auch sie haben in den zurückliegenden Jahren erkannt, dass eine bereichsübergreifend vertrauensvolle Zusammenarbeit und eine hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit den Unternehmenszielen entscheidend für den Erfolg sind.

Meyer: Denn in einer Welt, die so volatil wie unsere ist, brauchen die Unternehmen Mitarbeitende, die nicht nur Befehle ausführen, sondern sich auch eigeninitiativ engagieren.

Nesemann: Ein solches Engagement kann man jedoch nicht erzwingen. Es entsteht, wenn die Mitarbeitenden das Gefühl haben „Ich werde hier gebraucht und kann hier meine Fähigkeiten entfalten“ und sich als Mensch gesehen und geschätzt fühlen. Unternehmen, die ein Positive Leadership praktizieren, setzen deshalb bei der Mitarbeiterführung auf Vertrauen, Respekt und eine gemeinsame Vision und schaffen so eine Kultur der Zusammenarbeit und des kollektiven Lernens, die langfristig erfolgreich ist.

Nachhaltige Transformationen ermöglichen

? Das heißt, Positive Leadership ist aus Ihrer Warte mehr als ein modischer Trend?

Werner: Ja, denn hierbei handelt es sich um einen Führungsstil, der statt auf Kontrolle, auf Vertrauen setzt – und dadurch eine echte Transformation ermöglicht und somit den Unternehmenserfolg nachhaltig sichert.

? Und die Fähigkeit, ihre Mitarbeitenden entsprechend zu führen, vermitteln Sie Führungskräften in Ihren Weiterbildungen?

Nesemann: Ja, wir wollen Führungskräfte dazu inspirieren und befähigen, diesen Weg einzuschlagen, denn: Positive Leadership kann aus Unternehmen Orte machen, an denen Menschen gern arbeiten, sich entfalten und gemeinsam Großes erreichen – auch in schwierigen Zeiten; unter anderem, weil ihnen die Hoffnung und Zuversicht lebt „Wir schaffen das, wenn ….“.

? Frau Meyer, Herr Nesemann und Herr Werner, danke für das Gespräch!

Silas Koch

Zu den Interviewten: Elke Katharina Meyer, Frank Nesemann und Thomas Achim Werner bilden das Führungsteam des Beratungsunternehmens Positivity Guides, Berlin/Braunschweig (www.positivity-guides.de), das auf das Themenfeld Positive Führung und Positive Leadership spezialisiert ist und unter anderem Trainings hierzu anbietet. Sie haben gemeinsam das Buch „Positiv führt! Mit Positive Leadership Teams und Organisationen empowern“ verfasst.


–> Mikro-Momente des Glücks und der Zufriedenheit

So können Sie Ihr eudämonisches Wohlbefinden und das anderer Menschen fördern.

Den Moment genießen: Die Aufmerksamkeit auf die drei Zeitdimensionen der meisten positiven Ereignisse lenken:

  • vorher: Vorfreude;
  • währenddessen: bewusstes Erleben;
  • danach: Reflexion (das positive Gefühl wieder auf-/wachrufen).

Verbunden sein: Die Nähe und Verbundenheit mit anderen Menschen spüren. Fragen Sie sich zum Beispiel abends: An welche positiven Begegnungen, Gespräche heute erinnere ich mich und mit wem fühlte ich mich wie verbunden?

Erfolge feiern: Fragen Sie sich zudem abends: Was habe ich heute so richtig gut gemacht? Bei der Arbeit? Zuhause? Im Umgang mit Kunden und Kollegen? Freunden und Bekannten? Worauf kann ich stolz sein?

Dankbar sein: Fragen Sie auch, was Ihnen durch andere Menschen Gutes widerfuhr? Wofür sollten Sie ihnen dankbar sein?

Mitgefühl zeigen: Machen Sie sich bewusst, mit Herausforderungen andere Menschen konfrontiert sind? Zum Beispiel Ihr Chef oder Kollege? Oder die Kassiererin im Supermarkt? Fragen Sie sich: Was kann ich tun, um ihr Wohlbefinden zu steigern? Zum Beispiel Interesse zeigen? Verständnisvoll und geduldig sein? Unterstützung anbieten?

Neugierig und offen sein: Das Leben ist bunt und vielfältig. Machen Sie sich dies immer wieder bewusst. Es gibt noch so vieles zu sehen, zu lernen und zu erleben. Dann gehen Sie Herausforderungen beschwingter an und entdecken dabei viel Positives.

Freundlich und zugewandt sein: Nehmen Sie Ihre Mitmenschen – Ihre Kollegen, den Kassierer im Supermarkt, Ihren Lebenspartner – bewusst wahr. Schauen Sie Ihnen in die Augen. Schenken Sie Ihnen ein Lächeln. Sagen Sie danke auch für scheinbar selbstverständliche Kleinigkeiten.

Wertschätzend sein: Machen Sie sich bewusst, was Sie an Ihren Mitmenschen schätzen. Welche Stärken haben sie? Warum freuen Sie sich auf Begegnungen, Gespräche mit ihnen? Sagen Sie dies Ihren Mitmenschen auch. Und schenken Sie ihnen häufiger ein anerkennendes Wort.

Authentisch sein: Zeigen Sie den Menschen, die Ihnen wichtig sind, Ihre Gefühle. Stehen Sie auch zu Ihren Ecken und Kanten – soweit möglich. Denn nur dann sind Sie für die anderen als Mensch erfahrbar und es entsteht Verbundenheit.

Positivity Guides, Berlin/Braunschweig


Gastautor
Bei 3 Minuten Coach schreiben anerkannte Experten über interessante Themen in den Bereichen Bewerbung, Karriere, Online Reputation, Soft Skills, Effektivität & Effizienz, Management, Vertrieb und Weiterbildung. Nähere Informationen zu den einzelnen Autoren befinden sich am Ende jedes Beitrages.

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