Verantwortlich leben und führen – Mit Mut, Ethik und Innovationsgeist zu Erfolg und Glück

Verantwortlich leben und führen

Das Streben nach wirtschaftlichem Erfolg ist human, solange der Mensch das Maß aller Dinge ist. Eine Weisheit, die das eine oder andere Unternehmen, der eine oder andere Manager wohl längst vergessen hat. Betrügereien stehen auf dem Programm. Tricks gehören in der Wirtschaft dazu, bis Kontrollinstanzen – besser spät als nie – vielleicht doch noch (ein-)greifen. In der Presse ist fast täglich davon zu lesen. Die Verbraucher schreien kurzfristig auf, die Bestürzung ist groß – aber nur solange bis die „nächste Sau durchs Dorf getrieben wird.“

Eine neue, bewusste Unmoral, oder einfach nur unbedarftes Vorgehen? Das Ergebnis bleibt gleich: Unzufriedene Kunden, besorgte Mitarbeiter und Manager, die längst einen anderen lukrativen Posten in Aussicht haben. Über das Thema „Verantwortlich leben und führen“ sprechen wir mit Josef Schmidt, Handwerksmeister und Grandseigneur des deutschen Managements. Der Ruheständler – pardon Unruheständler, wie er sich selbst gerne bezeichnet – setzt sich auch weiterhin mit den wichtigsten Themen rund um ein gutes Unternehmertum auseinander. Themen, die heute bedeutender sind denn je: Verantwortung, Ethik, Nutzen, Werte und Innovationsgeist, aber auch Freude als vollendete Form der Dankbarkeit – kurzum allem, was es für ein rundum erfolgreiches und glückliches Leben braucht.

Herr Schmidt, über Jahrzehnte hinweg haben Sie sich intensiv damit beschäftigt, was es heißt, Menschen und Unternehmen glücklich und erfolgreich zu führen. Was ist denn nun das Geheimnis?

Josef Schmidt: Ob es ein Geheimnis ist, weiß ich nicht, aber von einem bin ich fest überzeugt: Die große Kunst erfolgreicher Unternehmensführung ist, einmal etwas salopp ausgedrückt, im Prinzip nichts anderes als geben, geben, gekonnt geben, du kannst gar nicht verhindern, dass es zu dir zurückkommt. Um glücklich und erfolgreich zu werden, gibt es also, wenn überhaupt nur ein Rezept: Man muss bereit sein, zu dienen! Wer die Probleme anderer Menschen löst, diesen einen wertvollen Nutzen bietet, löst auch seine eigenen Probleme.

Sie sprechen in diesem Zusammenhang gerne von der DIEN-Norm. Was können wir uns darunter vorstellen?

Josef Schmidt: Ich drücke das so aus: Alles Gute nährt sich vom Guten! Oder: Wer anderen dient, hilft sich selbst am allermeisten. Ich habe für mich eine DIEN-Norm entworfen, sie lautet: Anderen Menschen Werte und Nutzen bieten und Verantwortung übernehmen. In meinem Streben nach persönlichem und beruflichem Erfolg orientiere ich mich an den Grundwerten der Ethik, der Redlichkeit, der Anständigkeit, der Ehrlichkeit und der Zuver­lässigkeit. Die christlichen Grundwerte bieten dafür die Basis. Unter dem Titel „Der Niedergang des Ichlings“ hat der SPIEGEL im September 2013 in diesem Zusammenhang interessante Forschungs­ergebnisse vorgestellt. Es gibt „Geber“ und „Nehmer“ unter den Menschen, wobei die Geber, also die hilfs­bereiten Menschen, mehr Erfolg haben, eben weil und nicht obwohl sie sich um andere kümmern. Hilfsbereite und großzügige Menschen bringen es also weiter als Egoisten. Das Ergebnis überrascht wahrscheinlich viele. Basis ist das Buch „Geben und Nehmen“ des Psychologen Adam Grant, der mit der Vorstellung, dem Egoisten gehöre die Welt, aufräumt. Er bringt Belege dafür, dass die Geber, die sich für andere engagieren, im Durchschnitt erfolgreicher, zufriedener und überdies anerkannter sind als die Nehmer.

Sie werden gerne als der Pragmatiker unter den Management-Trainern bezeichnet. Wie wichtig ist es tatsächlich, in der Wirtschaft pragmatisch vorzugehen? Gerade in letzter Zeit werden immer mehr Stimmen auch aus den eigenen Reihen laut, dass für Bildung unser Schulwissen nicht mehr ausreicht. Steht das in einem direkten Zusammenhang?

Josef Schmidt: Eindeutig ja. In der Schule, vor allem aber an den Universitäten wird so vieles gelehrt, aber das Praktische kommt dabei oft zu kurz. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Theoretisches Wissen ist wichtig und notwendig – aber die Praxis ist „unschlagbar“. Wissen alleine macht noch keinen Experten aus, und etwas zu wissen, heißt noch lange nicht, es auch zu können. Gerade in der Unternehmensführung kommt es aber genau darauf an, auf das Können und das Tun. Die Kunst des Lebens ist die Kunst des Verwertens. Und der Unterschied zwischen erfolgreichen und sehr erfolgreichen Menschen liegt nicht unbedingt in der Ausbildung, sondern ist immer eine Frage der Konsequenz. Wie konsequent nehme ich etwas Neues wahr und auf und lerne daraus, beziehungsweise wie setze ich diese Erkenntnisse wieder um.

Ihr neues Kompendium umfasst fünf Bücher, die Unternehmern, Führungskräften und all jenen, die es werden wollen, Denkanstöße geben sollen für ein dauerhaft erfolgreiches und glückliches Leben. Die Inhalte der einzelnen Bücher sind sehr unterschiedlich, wie passt des alles zusammen? 

Josef Schmidt: Über allem steht die Überzeugung, dass Erfolg planbar ist und jeder – so wie es das Sprichwort sagt – seines Glückes Schmied ist. Glück kann und muss verursacht werden. Die Wege für ein glückliches Leben und ein erfolgreiches Management liegen nahe beieinander. Es sind Freude und Verantwortung, Mut und ein grundlegend ethisches Bewusstsein. Kommt auch noch ein gesunder Innovationsgeist hinzu, umso besser!

Ganz neu im Kompendium ist das Buch „Glück und Erfolg“, das die zentralen Punkte der Sammlung aufgreift. Gibt es ein Rezept dafür?

Josef Schmidt: Schon immer haben mich die Fragen beschäftigt: „Wie wird man glücklich und erfolgreich?“ und „Wie schaffen es Unternehmer und Manager, den Erfolg dauerhaft zu sichern?“ Auf die Frage, ob es ein Rezept gibt, kann ich inzwischen sagen: Ja, es ist eine Mischung aus Ethik, Wertschätzung, Glaube, Mut, Innovationsgeist und einer Prise Zeitmanagement. Ein schönes Zitat in diesem Zusammenhang ist „Es kommt nicht darauf an, woher die Winde wehen, sondern wie wir die Segel setzen!“ Jedes Kapitel des Buches ist deshalb so aufgebaut, dass zunächst der Bezug zu einem drängenden Gegenwartsproblem aufgezeigt wird und dann ein Text folgt, der zum Teil schon vor längerer Zeit entstanden ist, aber immer noch brandaktuell ist.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Josef Schmidt: Gerne! In einem Kapitel geht es beispielsweise um das Thema „Die globalisierte Welt im Umbruch – die Welt als Dorf: Philosophische Ethik und Wirtschaftsethik“ Derzeit scheint die Welt aus den Fugen geraten zu sein. Nur zwei Beispiele: Europa droht auseinanderzufallen, der US-ameri­kanische Präsident Donald Trump zerstört wie der Elefant im Por­zellan­laden die Freundschaft zu den europäi­schen Ver­bündeten. Gerade jetzt, wo die Menschheit darauf ange­wiesen ist, zusammenzuhalten, drohen Protektionismus und Isolationismus: Jeder für sich! In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an eine Rund-E‑Mail, die ich vor vielen Jahren erhielt:

„Wenn wir die ganze Menschheit auf ein Dorf von 100 Ein­wohnern reduzieren, aber die Proportionen zwischen allen bestehenden Personengruppen beibehalten würden, dann wäre dieses Dorf so zusammengesetzt: Es würden 57 Asiaten, 21 Europäer, 14 Amerikaner (Nord- und Südamerika) und 8 Afrikaner in diesem Welt-Dorf leben. Es gäbe 52 Frauen und 48 Männer. Und 70 Nichtweiße und 30 Weiße. Und 70 Nichtchristen und 30 Christen. Es gäbe 89 Heterosexuelle und elf Homosexuelle. Sechs Personen kämen aus den USA, und diese würden 59 Prozent des gesamten Weltreichtums besitzen. 80 Menschen hätten keine ausreichenden Wohn­ver­hältnisse. 70 Personen wären Analphabeten. 50 Menschen wären unterernährt. Ein Mensch würde innerhalb des nächsten Jahres sterben. Und zwei Personen wären innerhalb des letzten Jahres geboren. Ein Mensch hätte einen PC und einer einen akademischen Abschluss.“

Dieser Vergleich zeigt auch heute noch, dass die Welt ein Dorf ist und wir von­einander abhängig sind. Wir sollten das Verbindende betonen und nicht das Trennende. Wir brauchen die gemein­same Grundüberzeugung, dass wir alle in einem Boot sitzen und uns darum gegenseitig unter­stützen müssen. Eine starke Wirtschaft ist ein wichtiges Element bei der Erreichung des Ziels, dass es immer mehr Menschen im gemeinsamen Boot besser geht. Dies gelingt am besten, wenn die Menschen die philosophische Ethik als handlungsanleitendes Prinzip betrachten und bei allem, was sie tun, auch bedenken, welche Folgen das für die anderen Menschen im „Dorf Welt“ hat.

Ethik ist ein Stichwort, das wir gerne aufgreifen, weil es auch in Ihrem Lebenswerk eine große Rolle spielt, Ihr letztes Buch hatte den Titel „Wirtschaftsethik“. Was verstehen Sie darunter?

Josef Schmidt: Wirtschaftsethik ist die Lehre vom sinnvollen Miteinander und der Verantwortlichkeit. Für mich sollte das Denken und Handeln als Mensch, Führungskraft und Unternehmer stets mit Moral verknüpft sein, das ist für mich die Quintessenz des Erfolgs. Nur wer Verantwortung für sich und andere übernimmt, kann zu einem erfüllten und gelungenen Leben finden.

Ein weiteres Buch im Kompendium heißt „Unternehmer sein mit Körper, Geist und Seele“. Geht es in der Wirtschaft nicht vielmehr um die Frage, wie man möglichst schnell möglichst hohe Gewinne macht? 

Josef Schmidt: Natürlich sind Gewinne wichtig und notwendig, aber sie dürfen niemals an erster Stelle stehen. Gewinne sind immer eine Folge, die Folge von gutem und ethischem Handeln als Unternehmen. Für den einzelnen heißt das – und da möchte ich noch einmal die Wichtigkeit des Dienens aufgreifen – Dienen kommt immer vor dem Verdienen. Erfolgreiche Unternehmensführung ist also immer eine Folge der stetigen kritischen Selbstbefragung des Unternehmers, der ethischen Legitimation – und der Liebe zum Menschen und des Respekts vor dem Mitarbeiter, der nicht als Träger einer Funktion gesehen wird, sondern als Person. Hier ist ein Perspektivenwechsel notwendig. Unternehmer sein mit Körper, Geist und Seele heißt, den ökonomischen Erfolg anzustreben und den größten Wert zu legen auf ethische Verhaltensnormen. Beides hängt zusammen, beides gehört zusammen.

Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, das Unternehmen steht ja nicht für sich alleine, sondern besteht im Regelfall aus vielen Menschen. Wie wichtig sind diese für den Erfolg?

Josef Schmidt: Die Menschen sind sogar enorm wichtig! Im Buch Marktdynamik zeige ich auf, wie Unternehmen sich zu einer Marketing-Company entwickeln können, in der das Wort vom „König Kunde“ gelebte Überzeugung ist. Ziel ist die Konzentration des gesamten Unternehmens und der Menschen, die für dieses Unternehmen tätig sind, auf die Schaffung, Erhaltung und den Ausbau von nutzenorientierten Werten für den Kunden. Durch Marktdynamik wird ein Unternehmen wettbewerbsfähig und ein Unternehmer zum einzigartigen Problemlöser des Kunden. Der Mensch steht also auch hier immer im Mittelpunkt. Ein Funken Einzigartigkeit, Außergewöhnlichkeit und kundenorientierter Kreativität hebt das Unternehmen bereits von allen anderen Konkurrenten ab, verankert es dauerhaft im Gedächtnis der Kunden und führt so zu einem wirksamen Corporate Identity.

Kommen wir zum letzten Buch des Kompendiums, das einen eher philosophischen Aspekt beinhaltet, die Freude. Wie passt dieses Thema in den gesamtwirtschaftlichen Kontext.

Josef Schmidt: Ganz einfach, Freude ist für mich die vollendetste Form der Dankbarkeit. Und beides ist für die Wirtschaft existenziell. Stellen wir uns die Frage, was es braucht, um erfolgreich ein Unternehmen zu führen, ist es ganz klar die Freude, die Begeisterung an dem, was man tut. Alles, was du nicht mit Freude machst, reicht nicht, aber die Pflicht alleine reicht auch nicht. Es reicht eben nicht, allein Strategien umzusetzen und Gewinne zu maximieren, wenn nicht auch Freude dabei ist. Das Ganze ist eine Wechselwirkung. Viele Menschen glauben, glücklich und erfolgreich ist man dann, wenn man keine Probleme hat. Aber weit gefehlt: Heiterkeit, Gelassenheit und Erfolg entstehen eben nicht, weil man eventuell keine Konflikte oder Probleme hat, sondern aus der Kunst, diese in Vorteile, Chancen und Freuden umzusetzen. Und letztendlich dankbar dafür zu sein. Oder wie es der Bengalische Dichter, Philosoph, Maler, Komponist, Musiker und Literaturnobelpreisträger Rabindranath Tagore einmal gesagt hat: „Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben ist Pflicht. Ich tat meine Pflicht und sehe, das Leben ward Freude.“

3MinutenCoach.com: Danke, Herr Schmidt, für dieses Gespräch!

Über den Interviewpartner:

Josef SchmidtEin ungewöhnlicher Lebensweg führt Josef Schmidt, geboren 1934 in Oberfranken, vom Bäckermeister zum Management-Trainer. Seine Erfahrungen aus der Praxis für die Praxis verdichten sich im Management-Modell „UnternehmerEnergie“ sowie dem Josef Schmidt Colleg in Bayreuth, das er 1985 gründete und das seit 1998 in bewährter Weise von Dr. Dr. Cay von Fournier geführt wird. 2003 mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet, führt Josef Schmidt sein Lebenswerk mit zahlreichen Vorträgen und weiteren Büchern rund um die Unternehmensführung fort.

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