Was Manager vom Profifußball lernen können – Steilpässe für Meetings, Teambuilding & Co.

Was Manager vom Profifußball lernen können

„Das zu bestätigen, was wir in Brasilien erreicht haben, und sich noch weiter zu verbessern, darin liegt der Reiz“           Joachim Löw

Ein Großteil des Erfolgs im Profifussball wird mit dem Kopf statt mit den Füßen entschieden. Wer als Mannschaft im Finale steht, das hängt nicht allein von der körperlichen Verfassung, Technik und Taktik der Spieler ab. Sie sind zwar Grundvoraussetzungen für den Sieg, die mentale und emotionale Stärke eines Teams ist jedoch der entscheidende Faktor für das Erreichen des Ziels. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und der Glaube an sich selbst sind die Basis jedes Erfolgs, ob in der Wirtschaft oder auf dem Fußballfeld.

Leader müssen mittlerweile hohe Ansprüche an Sozialkompetenz und Coaching-Qualitäten erfüllen. Das weiß ich von meiner Arbeit mit Fußballtrainern ebenso wie von meiner Tätigkeit für Unternehmen. Und, dass sich die Erfolgstaktiken des internationalen Spitzenfußballs hervorragend auf die Handlungsstrategien von Führungskräften in der Wirtschaft übertragen lassen. Ob auf dem Rasen oder dem Parkett gilt es, in der Lage zu sein, unter hohem Druck blitzschnell richtige Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig braucht es die Bereitschaft jedes Teamplayers und Anführers, sich ständig weiterentwickeln zu wollen – jedes Spiel, jede Herausforderung ist anders. Die Anforderung an die mentale Leistungsfähigkeit ist gestiegen. Aufgaben und Anforderungen in unserer Arbeitswelt verändern sich rapide. Mobilität, Verantwortungs- und Lernbereitschaft sind gefragt.

Das Erfolgs-ABC

Ob sportlicher Wettkampf oder entscheidende Präsentation im Job – das grundlegende Ziel von Athleten, Trainern und Managern ist nahezu identisch: Bei hohen Anforderungen über mentale Stabilität verfügen und so herausfordernde Situationen erfolgreich bewältigen. Nachfolgende Aspekte sportlichen wie unternehmerischen Erfolgs von A wie Akzeptanz bis Z wie Zielorientierung helfen dabei:

A wie Akzeptanz: Im Business wie im Sport ist es wichtig, jeden Einzelnen in seiner Individualität so zu akzeptieren, wie er ist. Diese Akzeptanz gilt auch für das eigene Selbst. Wer sich selbst nicht annimmt, ist instabil, wenig belastbar und entwickelt Selbstzweifel. In einem solchem Zustand ist es schwer, Bestleistungen zu erzielen.

E wie Erfolgreiche Bewältigung von Krisen und Konflikten: Um zu gewinnen, müssen wir lernen mit Krisen umzugehen, Konflikte zu bearbeiten und Niederlagen als Chancen begreifen. Dabei hilft auch die Würdigung des Gegners, dass er dieses Mal einfach der Bessere war – beispielsweise mit dem Triple A-Prinzip: akzeptieren, analysieren, abhaken!

F wie Fehlerverarbeitung: Fehler sind HELFER und der Mentor des Erfolgs, denn jeder einzelne bedeutet eine Lernchance für uns. Doch wir können nur aus ihnen lernen, wenn wir uns mit ihnen auseinandersetzen. Auch hier kommt das Triple A-Prinzip zum Einsatz: akzeptieren, analysieren, abhaken!

G wie Gier: Es braucht den Hunger nach Erfolg, um mit aller Kraft danach zu streben. Unser Wille ist eine wichtige Antriebsfeder für das Erreichen von Zielen. Wer nur mit halber Kraft, ohne rechte Begeisterung und mit schwachem Willen dafür arbeitet, wird nicht weit kommen.

G wie Glück: Bei allem Kalkül gehört zu jedem Sieg auch ein Quäntchen Glück dazu. Das eigene Glücksempfinden lässt sich mental trainieren und damit auch die Erfolgswahrscheinlichkeit positiv beeinflussen. Hilfreich ist, sich immer wieder ins Bewusstsein zu rufen: Das Glück ist vor allem jenen hold, die es zu schätzen wissen. Oft lässt sich das bei einem Fußballturnier beobachten.

I wie Ideen: Ohne zündende Ideen und Kreativität entwickelt sich weder im Sport noch im Business etwas weiter. Kreativität braucht Raum – Raum, um sich zu entfalten und Raum, um geäußert zu werden. Wer hier zugunsten des routinierten Ablaufs auf Möglichkeiten der Ideenfindung verzichtet, verzichtet letztlich auf Weiterentwicklung.

K wie Klarheit: Im Business wie im Sport funktioniert nichts ohne klare Aufgaben- und Rollenverteilung. Ein ungeordneter Haufen hat noch nie die meisten Tore geschossen. Von der stabilen Abwehr über ein starkes Mittelfeld bis hin zum offensiven Sturm sollte jeder im Team wissen, was seine Aufgabe ist – und die entspricht im Idealfall seinen persönlichen Stärken.

M wie Motivation: Für Höchstleistungen jeglicher Art gilt es, Freude, Begeisterung und Hingabe zu schaffen, den berühmten Funken zu entzünden, neue Reize zu setzen, eine verbindliche Wertekultur zu etablieren – die Führungskraft, der Trainer als Antreiber, Animateur und Anker.

M wie Mut: Ohne Mut ist noch niemand bis zur Spitze vorgedrungen. Es braucht nicht nur Mut, um Herausforderungen anzunehmen, sondern auch, um gefällte Entscheidungen zu korrigieren, Fehleinschätzungen einzugestehen, neue Wege zu beschreiten. Bundestrainer Jogi Löw hat das immer wieder mit Bravour unter Beweis gestellt.

N wie NO! zum Neid: Neid ist einer der größten Erfolgskiller. Der Vergleich mit anderen und die daraus resultierende Missgunst richten bei uns selbst erheblichen Schaden an. Unser Selbstbild und das Streben nach Erfolg sollte nie vom Bild anderer abhängen.

R wie Respekt: Spieler, Trainer und DFB-Verantwortliche sollten ebenso wie alle Beteiligten in einem Unternehmen einen freundlichen, respektvollen Umgang pflegen – mit der Öffentlichkeit, dem Support-Team, dem Hotelpersonal usw. und natürlich vor allem auch untereinander. Gegenseitige verbale Angriffe schwächen nicht nur den Einzelnen, sondern das ganze Team und gefährden damit den gemeinsam angestrebten Erfolg.

R wie Reservebank: Wer hier sitzt, ist keinesfalls schlechter als die anderen, aber es können nun mal nur elf auf dem Platz stehen. So wie auch manche Task Force im Unternehmen wegen der Effektivität und Rentabilität nur eine begrenzte Größe zulässt. Reservespieler bieten Rückhalt und Verlässlichkeit, damit stärken sie den mentalen Zustand der Spieler auf dem Feld. Doch in kleineren Teams ebenso wie in Unternehmen werden sie oft nicht genügend wertgeschätzt und gefördert. In Brasilien hat unsere Nationalelf gezeigt, dass es auch anders geht.

S wie Stärkenorientierte Führung: Für Führungskräfte und Trainer heißt es, nicht Defizite in den Mittelpunkt stellen, sondern mit vorhandenen Ressourcen effektiv arbeiten. Wer die Stärken seiner Mitarbeiter oder Spieler stärkt, das Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein aufbaut, kann gemeinsam das Beste aus dem Team herausholen.

T wie Teambuilding: „Wir sind Fußball!“ Immer wieder erstaunlich und beeindruckend zugleich, wie die Königsdisziplin der Mannschaftssportarten sich als Metapher nutzen lässt, um das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und Vertrauen zu schaffen. Das Trainingslager im Fußball ist die Geburtsstätte des Teamspirits. Wenn Unternehmen aus Kostengründen auf externe gemeinsame Events mit Mitarbeitern verzichten, verzichten sie nicht nur auf das Stärken des Wir-Gefühls, sondern auch auf die Möglichkeit, außerhalb des Tagesgeschäfts Abläufe zu proben, bis sie verinnerlicht sind.

U wie Umfeldmanagement: Wäre die deutsche Fußballnationalmannschaft Weltmeister geworden, wenn sie in einem anderen Umfeld gearbeitet und gelebt hätte? Unser Umfeld beeinflusst unser Denken, Fühlen, Handeln und Verhalten. Wer sein Umfeld bewusst wählt, schafft sich Unterstützung auf dem Weg zum Ziel.

V wie Verarbeitung von Stresssituationen: Wir alle brauchen verschiedene Techniken der Selbstregulation und Entspannung. Wer nicht mit Angst umgehen kann, seinen Emotionen wie z.B. Wut oder Enttäuschung schutzlos ausgeliefert ist, hat es schwer auf dem Weg zum Ziel. Stress und andere negativen Einflussfaktoren lassen sich nun einmal nicht vermeiden.

V wie Vertrauen: Vertrauen ist die Währung des Erfolgs, nicht nur für jeden einzelnen Spieler auf dem Rasen. Vertrauen in sich selbst, in die Mannschaftskameraden, in die Strategie des Trainers. Der Trainer muss an seine Spieler glauben, so wie die Spieler ihrer eigenen Intuition vertrauen sollten – unabhängig von der öffentlichen Meinung, den Rufen der Fans und Gegner usw.

Z wie Zielorientierung: Zielarbeit ist einer der wichtigsten Bausteine für mentale und emotionale Stärke. Es gilt, positive, klare Ziele auszuarbeiten und die richtige Formulierung eines Ziels zu wählen. Unsere Ziele sollten uns herausfordern und motivieren. Jogi Löw sagte vor der WM 2014: „Wir wollen Weltmeister werden!“. Er könne zwar nicht versprechen, dieses Ziel zu erreichen, aber alle würden ihr Bestes geben, um es zu erreichen. Dabei helfen mentale Techniken wie Zielvisualisierung, Zielfokussierung etc.

Über die Autorin:

Antje Heimsoeth_PortraitAntje Heimsoeth ist eine der bekanntesten Mental Coaches im deutschsprachigen Raum. Die Gründerin und Geschäftsführerin der Heimsoeth Academy, Institut für Business- und Sport-Coaching, trainiert Top-Führungskräfte von internationalen Konzernen und traditionsreichen Mittelständlern. Klienten aus dem Sportbereich, Olympiasieger und Weltmeister, Profi-Teams und Bundestrainer, machen sie zu einer begehrten Keynote-Rednerin. Das Know-how der Expertin zu den Themen mentale und emotionale Stärke, Motivation und Selbstführung beruht auf der Praxis, die durch wissenschaftliche Impulse untermauert wird. Ausgezeichnet als „Vortragsrednerin des Jahres 2014“ und „renommierteste Motivationstrainerin Deutschlands“ (FOCUS) ist Antje Heimsoeth ein gern gesehener Gast bei Fernseh- und Radiosendern. Von der vielfachen Buchautorin neu erschienen: „Frauenpower. Mentale Stärke für Frauen“.

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