Reputationskrise der Immobilienbranche

Imagekrise: Worauf die Immobilienbranche jetzt achten muss

Es gibt kaum ein Berufsbild, das so negativ besetzt ist wie das des Immobilienmaklers oder -investors. Gerne werden sie als Miethaie geschimpft oder als faule Taugenichtse, die nichts anderes machen als die Haus- oder Wohnungstür bei der Besichtigung aufzuschließen und dafür eine hohe Rechnung ausstellen.
Die Immobilienbranche steckt in einer handfesten Reputationskrise. Die Gründe dafür sind vielfältig und zum Teil auch hausgemacht. Wie die Branche aus diesem negativen Reputationsstrudel wieder herauskommen kann, möchte ich in diesem Artikel aufzeigen.

Ein Gastartikel von Thomas Knedel

Keine nennenswerte Besserung trotz Bestellerprinzip

Bereits im Jahr 2015 wurde auf dem Mietermarkt das Bestellerprinzip eingeführt. Dieses besagt, dass derjenige die Maklercourtage bezahlt, der den Makler bestellt. Zuvor bezahlten sowohl Vermieter als auch Mieter die volle Maklerprovision – das heißt der Makler kassierte gleich doppelt ab, was zu viel Unmut geführt hatte.

Die Einführung des Bestellerprinzips bei Kaufobjekten ist jedoch gescheitert, sodass man sich auf einen Kompromiss geeignet hat: Verkäufer und Käufer teilen sich die Kosten für die Maklercourtage.
Diese Regelung hat nicht nur eine finanzielle Entlastung für Verkäufer und Käufer zur Folge, sondern trägt auch positiv zum Bild des Immobilienmaklers bei, der gern als windiger Typ dargestellt wird, der sich best- und schnellstmöglich die Taschen mit Geld vollstecken möchte.

Auch wenn diese Regelung im Prinzip eine gute Nachricht für den Ruf der Immobilienbranche ist, stehen einige Menschen den Maklern immer noch misstrauisch gegenüber. Dies lässt sich auf zwei Ursachen zurückführen: Schwarze Schafe und Vorurteile mangels Kenntnis des Berufsbilds.

Es ist unbestritten, dass es auch schwarze Schafe unter den Maklern gibt, die das Image der Immobilienbranche ins Negative ziehen, da es sich dabei nicht um eine geschützte Berufsbezeichnung handelt und keine Ausbildung dafür notwendig ist. Das heißt, dass sich im Prinzip jeder Makler nennen kann, ohne sich in Immobilien- und Mietrecht sowie anderen Disziplinen auszukennen. Hat man mit einem solchen sogenannten „Makler“ Kontakt kann das zu unschönen Erfahrungen führen: Fragen zur Immobilie bleiben unbeantwortet, man wird mit Floskeln vertröstet oder es werden leere Versprechungen gemacht, oder man bekommt den Eindruck, dass der Makler so schnell wie möglich das Geschäft abschließen möchte. Einige wenige rücken so die gesamte Branche in ein schlechtes Licht.

Viele Menschen wissen aber auch gar nicht, was ein Makler alles leistet und das ist weitaus mehr als das Aufschließen von Türen.
So erstellt ein Makler beispielsweise die Inserate für die Miet- oder Kaufobjekte, organisiert die Besichtigung und erstellt die Verträge. Diese Werbungskosten müssen wieder hereingeholt werden – und das geht nur über die Provision, die der Makler bei einer erfolgreichen Vermittlung erhält.

Eine neue Makler-Generation
Der Makler vermittelt zwischen Verkäufer und Käufer, bzw. Vermieter und Mieter.

Eine neue Makler-Generation

Was mir seit den letzten zwanzig Jahren, in denen ich im Bereich Immobilienwirtschaft tätig bin, immer häufiger sehr negativ auffällt, ist auch das Konkurrenzdenken der Makler untereinander. Dieses trägt auch dazu bei, dass die Branche in einer Reputationskrise feststeckt. Es macht keinen besonders seriösen Eindruck, wenn sich Makler gegenseitig versuchen auszustechen und mit einer Ellenbogen-Mentalität durch ihren Berufsalltag marschieren.

In meinen Seminaren und Kursen versuche ich daher den Interessenten zu vermitteln, dass es nicht nur mehr Spaß macht, wenn man andere Makler und Investoren mit Respekt und Offenheit begegnet, sondern auch, dass man durch das aktive Suchen des Dialogs Geschäftspartner finden kann, die einem eine Tür für noch mehr finanziellen Erfolg öffnen.

Durch die Weitergabe von Expertenwissen etabliert man eine ganz neue Geschäftskultur, die mehr auf einem Miteinander aufbaut als auf einem Gegeneinander. Hier sind vor allem die alten Hasen in der Branche gefragt, um diesen Kreislauf positiv zu durchbrechen, und den Jungen zu zeigen, dass man auch auf andere Art und Weise erfolgreich sein kann.

Wenn wir es schaffen, eine neue „Generation Real Estate“ ins Leben zu rufen, können wir der Branche nachhaltig helfen, damit wieder ein positives Licht auf sie scheint.

Über den Autor:

Thomas KnedelThomas Knedel ist selbstständig tätig als Immobilienunternehmer und bezeichnet sich selbst als Immopreneuer. Haupttätigkeitsbereich seines Unternehmens ist der Kauf von Immobilien, Strategisches Asset Management und Investment, sowie Hausverwaltung. In den letzten 20 Jahren hat er sich viel Wissen und Erfahrung in der Immobilienwirtschaft angeeignet. Als Immo-Coach gibt er seine Erkenntnisse in Kursen und Workshops an wissbegierige zukünftige Investoren weiter. Außerdem schreibt er Bücher und Artikel, deren Fokus auf Immobilien liegen.

 
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