
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Privatanleger
ETFs (Exchange Traded Funds) sind für viele Privatanleger heute das zentrale Instrument zum langfristigen Vermögensaufbau. Sie sind günstig, transparent, breit diversifiziert – aber: Einfach heißt nicht beliebig. Wer sinnvoll mit ETFs starten möchte, sollte systematisch vorgehen.
Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie man als Privatanleger professionell an das Thema herangeht – von der Zieldefinition über die ETF-Auswahl bis zur laufenden Betreuung.

Schritt 1: Finanzbasis schaffen – bevor du investierst
Bevor überhaupt ein Euro in ETFs fließt, sollte die finanzielle Grundlage stimmen.
1.1 Notgroschen aufbauen
Halte einen Liquiditätspuffer (z. B. 3–6 Monatsausgaben) auf einem Tagesgeldkonto.
Warum?
- Unerwartete Ausgaben (Auto, Arzt, Reparaturen)
- Vermeidung von Notverkäufen deiner ETFs in einer Marktkrise
Ohne Notgroschen wirst du emotional erpressbar: Jede Krise wird zur Paniksituation.
1.2 Schulden prüfen
„Gute“ Schulden (z. B. günstiger Immobilienkredit mit planbarer Tilgung) sind etwas anderes als teure Konsumschulden (Kreditkarten, Dispo).
Faustregel:
- Hohe Konsumschulden zuerst reduzieren
- Parallel in ETFs investieren nur, wenn Zinslast niedrig und finanzieller Spielraum vorhanden ist
Schritt 2: Ziele und Zeithorizont definieren
Ohne klare Ziele ist jede Strategie zufällig.
2.1 Anlageziele
Typische Fragen:
- Spare ich für Altersvorsorge?
- Für eine Immobilie?
- Für finanzielle Freiheit / Vermögensaufbau allgemein?
- Für Kinder / Ausbildung?
Je klarer das Ziel, desto besser lässt sich Risiko und Laufzeit planen.
2.2 Zeithorizont
Richtwerte:
- 0–5 Jahre: ETF-Aktienanteil eher niedrig
- 5–10 Jahre: ausgewogene Mischung möglich
- 10+ Jahre: hohe Aktienquote oft sinnvoll
ETFs mit Aktienfokus sind klar auf langfristige Anlage ausgerichtet.
Schritt 3: Persönliches Risikoprofil ehrlich einschätzen
Dein Portfolio muss zu dir passen – nicht zu einem Musterdepot aus dem Internet.
3.1 Fachliche und emotionale Risikobereitschaft
Zwei Fragen:
- Fachlich: Verstehe ich, dass -30 % an der Börse normal vorkommen können?
- Emotional: Schlafe ich noch ruhig, wenn mein Depot kurzfristig stark im Minus ist?
Ein häufiges Problem: Anleger überschätzen sich in guten Zeiten – und verkaufen panisch in schlechten.
3.2 Grobe Orientierung der Aktienquote
- Konservativ: 20–40 % Aktien, Rest Anleihen / Cash
- Ausgewogen: 40–70 % Aktien
- Offensiv: 70–100 % Aktien
Die Aktienquote ist der wichtigste Hebel für Rendite – aber auch für Schwankungen.
Schritt 4: Depot eröffnen – deine technische Basis
Um ETFs kaufen zu können, brauchst du ein Wertpapierdepot (Broker / Bank).
4.1 Wichtige Kriterien
- Kosten: Ordergebühren, Depotgebühren, Gebühren für Sparpläne
- Sparplanangebote: Mindestsparrate, angebotene ETFs
- Benutzerfreundlichkeit: App/Weboberfläche, Abrechnungen, Steuerhandling
- Service & Sicherheit: Einlagensicherung, Erreichbarkeit, Transparenz
Ein günstiger, verlässlicher Online-Broker ist für die meisten Privatanleger ausreichend.
Schritt 5: Die eigene ETF-Strategie festlegen (Asset Allocation)
Bevor du konkrete ETFs auswählst, musst du deinen strategischen Rahmen definieren – die sogenannte Asset Allocation.
5.1 Grundsatzentscheidung: Einfach oder ausgebaut?
Variante „Einfach“ (für Einsteiger):
- Ein globaler Aktienindex als Kern (z. B. Weltaktien)
- Optional: ein Anleiheindex als defensiver Anteil
Variante „Ausgebaut“ (für Fortgeschrittene):
- Trennung in:
- Industrieländer-Aktien
- Schwellenländer-Aktien
- Anleihen
- evtl. Immobilienaktien / REITs
Wichtig: Nicht „irgendwelche“ ETFs mischen, sondern ein bewusst gewähltes System.
5.2 Beispielhafte Struktur (ohne konkrete Produkte)
Ausgewogenes Portfolio (z. B. 60/40):
- 60 % globale Aktienindizes (z. B. Aufteilung 80 % Industrieländer, 20 % Schwellenländer)
- 40 % Anleihen (z. B. Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität)
Offensives Portfolio (z. B. 80/20):
- 80 % globale Aktien
- 20 % Anleihen oder Geldmarktnahe Produkte
Diese Aufteilung bleibt langfristig konstant – sie ist deine „strategische Landkarte“.
Schritt 6: ETFs auswählen – worauf es wirklich ankommt
Jetzt erst geht es um die konkreten ETFs – aber ohne Produktwerbung, nur mit Kriterien.
6.1 Wichtige Auswahlkriterien
- Index: Was bildet der ETF ab? Welt, Region, Branche, Faktor?
- Replikation: Physisch oder synthetisch? (für Einsteiger meist physisch sinnvoller)
- Kosten (TER): Je günstiger, desto besser – aber nicht allein entscheidend
- Fondsvolumen: Zu kleine Fonds können geschlossen werden; ein gewisses Volumen ist sinnvoll
- Domizil & Steuerregeln: Einfluss auf Quellensteuern und Besteuerung von Ausschüttungen
6.2 Thesaurierend oder ausschüttend?
- Thesaurierend: Erträge werden automatisch reinvestiert → gut für Vermögensaufbau
- Ausschüttend: Dividenden/Zinsen werden ausbezahlt → interessant für laufende Einnahmen
Wähle die Variante, die zu deiner Lebensphase und steuerlichen Situation passt.
Schritt 7: Sparplan einrichten – Automatisierung statt Timing
Statt zu versuchen, den „perfekten“ Zeitpunkt zu finden, ist ein ETF-Sparplan oft die beste Lösung.
7.1 Warum Sparpläne so mächtig sind
- Automatischer Kauf in guten und schlechten Zeiten
- Entlastung von Emotionen und Timing-Entscheidungen
- Profit vom Durchschnittskosteneffekt: Bei niedrigen Kursen kaufst du mehr Anteile, bei hohen weniger
7.2 Praxis
- feste Rate (z. B. 50–500 € monatlich, je nach Einkommen)
- gleichbleibende Aufteilung auf deine gewählte Strategie (z. B. 70 % Aktien-ETF, 30 % Anleihe-ETF)
- Anpassung nur bei größeren Lebensveränderungen (Neuer Job, Hauskauf, etc.)
Schritt 8: Rebalancing – Portfolio wieder ins Gleichgewicht bringen
Mit der Zeit verschiebt sich deine Aufteilung, weil verschiedene Anlageklassen unterschiedlich performen.
8.1 Was ist Rebalancing?
Beispiel: Dein Ziel sind 60 % Aktien, 40 % Anleihen. Nach guten Aktienjahren steht dein Depot bei 70 % Aktien, 30 % Anleihen.
Rebalancing bedeutet: Du verkaufst einen Teil der Aktien und kaufst Anleihen nach, um wieder auf 60/40 zu kommen.
8.2 Warum das wichtig ist
- Du hältst dein Risiko konstant
- Du nimmst automatisch Gewinne mit und kaufst „relativ günstig“ nach
- Du verhinderst, dass dein Portfolio unbeabsichtigt immer riskanter wird
Viele Anleger rebalancieren einmal pro Jahr oder bei Abweichungen von z. B. 5–10 Prozentpunkten.
Schritt 9: Steuern und Dokumentation im Blick behalten
ETFs sind steuerlich gut handhabbar, aber einige Grundlagen sollte man kennen.
9.1 Wichtige Punkte (je nach Land leicht unterschiedlich)
- Besteuerung von Dividenden und Zinsen
- Besteuerung von Kursgewinnen
- Freigrenzen / Freibeträge (z. B. Sparerpauschbetrag)
- Thesaurierung und Vorabpauschalen (falls relevant)
Wichtig ist, dass dein Broker dir übersichtliche Steuerbescheinigungen liefert – so bleibt die Steuererklärung handhabbar.
Schritt 10: Psychologie & typische Fehler – was du vermeiden solltest
Technisch ist ETF-Investieren einfach. Schwer wird es bei den Emotionen.
10.1 Häufige Fehler
- In der Krise verkaufen („Jetzt wird alles nur noch schlimmer…“)
- In der Euphorie massiv aufstocken („Es kann nur noch steigen…“)
- Ständig die Strategie wechseln
- Zu viele „Spezial-ETFs“/Themen-ETFs beimischen → unübersichtlicher „ETF-Zoo“
- Tagesnachrichten überbewerten
10.2 Erfolg heißt: Langweilig ist gut
Das ideale ETF-Portfolio ist häufig:
- relativ simpel
- langfristig ausgelegt
- sehr selten geändert
Das Spannende ist nicht das tägliche Kursfeuerwerk, sondern der langfristige Vermögensaufbau über Jahre und Jahrzehnte.
Schritt für Schritt statt Chaos – so gelingt der Start mit ETFs
Der Einstieg in ETFs muss weder kompliziert noch spekulativ sein. Wer systematisch vorgeht – Notgroschen, Ziele, Risikoprofil, Strategie, Depot, ETF-Auswahl, Sparplan, Rebalancing – legt die Grundlage für professionelles, aber alltagstaugliches Investieren.
Du musst keine Märkte vorhersagen, keine Einzelaktien analysieren und keine täglichen Finanznachrichten studieren. Entscheidend ist, dass du:
- eine sinnvolle Strategie definierst
- diese konsequent und langfristig durchhältst
- Emotionen im Zaum hältst
Dann werden ETFs zu einem äußerst wirkungsvollen Werkzeug, um als Privatanleger strukturiert Vermögen aufzubauen.
Hinweis: Die Beiträge aus der 3MinutenCoach-Reihe „Geld verdienen an der Börse“ dienen lediglich der Information und stellen keine Anlageempfehlung dar.
Autor: Redaktion





















