Wie starte ich mit ETFs?

Serie - Geld verdienen an der Börse
Lesedauer: 4 Minuten

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Privatanleger

ETFs (Exchange Traded Funds) sind für viele Privatanleger heute das zentrale Instrument zum langfristigen Vermögensaufbau. Sie sind günstig, transparent, breit diversifiziert – aber: Einfach heißt nicht beliebig. Wer sinnvoll mit ETFs starten möchte, sollte systematisch vorgehen.

Diese Anleitung zeigt Schritt für Schritt, wie man als Privatanleger professionell an das Thema herangeht – von der Zieldefinition über die ETF-Auswahl bis zur laufenden Betreuung.

Infografik Wie starte ich mit ETFs
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Schritt 1: Finanzbasis schaffen – bevor du investierst

Bevor überhaupt ein Euro in ETFs fließt, sollte die finanzielle Grundlage stimmen.

1.1 Notgroschen aufbauen

Halte einen Liquiditätspuffer (z. B. 3–6 Monatsausgaben) auf einem Tagesgeldkonto.
Warum?

  • Unerwartete Ausgaben (Auto, Arzt, Reparaturen)
  • Vermeidung von Notverkäufen deiner ETFs in einer Marktkrise

Ohne Notgroschen wirst du emotional erpressbar: Jede Krise wird zur Paniksituation.

1.2 Schulden prüfen

„Gute“ Schulden (z. B. günstiger Immobilienkredit mit planbarer Tilgung) sind etwas anderes als teure Konsumschulden (Kreditkarten, Dispo).
Faustregel:

  • Hohe Konsumschulden zuerst reduzieren
  • Parallel in ETFs investieren nur, wenn Zinslast niedrig und finanzieller Spielraum vorhanden ist

Schritt 2: Ziele und Zeithorizont definieren

Ohne klare Ziele ist jede Strategie zufällig.

2.1 Anlageziele

Typische Fragen:

  • Spare ich für Altersvorsorge?
  • Für eine Immobilie?
  • Für finanzielle Freiheit / Vermögensaufbau allgemein?
  • Für Kinder / Ausbildung?

Je klarer das Ziel, desto besser lässt sich Risiko und Laufzeit planen.

2.2 Zeithorizont

Richtwerte:

  • 0–5 Jahre: ETF-Aktienanteil eher niedrig
  • 5–10 Jahre: ausgewogene Mischung möglich
  • 10+ Jahre: hohe Aktienquote oft sinnvoll

ETFs mit Aktienfokus sind klar auf langfristige Anlage ausgerichtet.

Schritt 3: Persönliches Risikoprofil ehrlich einschätzen

Dein Portfolio muss zu dir passen – nicht zu einem Musterdepot aus dem Internet.

3.1 Fachliche und emotionale Risikobereitschaft

Zwei Fragen:

  1. Fachlich: Verstehe ich, dass -30 % an der Börse normal vorkommen können?
  2. Emotional: Schlafe ich noch ruhig, wenn mein Depot kurzfristig stark im Minus ist?

Ein häufiges Problem: Anleger überschätzen sich in guten Zeiten – und verkaufen panisch in schlechten.

3.2 Grobe Orientierung der Aktienquote

  • Konservativ: 20–40 % Aktien, Rest Anleihen / Cash
  • Ausgewogen: 40–70 % Aktien
  • Offensiv: 70–100 % Aktien

Die Aktienquote ist der wichtigste Hebel für Rendite – aber auch für Schwankungen.

Schritt 4: Depot eröffnen – deine technische Basis

Um ETFs kaufen zu können, brauchst du ein Wertpapierdepot (Broker / Bank).

4.1 Wichtige Kriterien

  • Kosten: Ordergebühren, Depotgebühren, Gebühren für Sparpläne
  • Sparplanangebote: Mindestsparrate, angebotene ETFs
  • Benutzerfreundlichkeit: App/Weboberfläche, Abrechnungen, Steuerhandling
  • Service & Sicherheit: Einlagensicherung, Erreichbarkeit, Transparenz

Ein günstiger, verlässlicher Online-Broker ist für die meisten Privatanleger ausreichend.

Schritt 5: Die eigene ETF-Strategie festlegen (Asset Allocation)

Bevor du konkrete ETFs auswählst, musst du deinen strategischen Rahmen definieren – die sogenannte Asset Allocation.

5.1 Grundsatzentscheidung: Einfach oder ausgebaut?

Variante „Einfach“ (für Einsteiger):

  • Ein globaler Aktienindex als Kern (z. B. Weltaktien)
  • Optional: ein Anleiheindex als defensiver Anteil

Variante „Ausgebaut“ (für Fortgeschrittene):

  • Trennung in:
    • Industrieländer-Aktien
    • Schwellenländer-Aktien
    • Anleihen
    • evtl. Immobilienaktien / REITs

Wichtig: Nicht „irgendwelche“ ETFs mischen, sondern ein bewusst gewähltes System.

5.2 Beispielhafte Struktur (ohne konkrete Produkte)

Ausgewogenes Portfolio (z. B. 60/40):

  • 60 % globale Aktienindizes (z. B. Aufteilung 80 % Industrieländer, 20 % Schwellenländer)
  • 40 % Anleihen (z. B. Staats- und Unternehmensanleihen hoher Bonität)

Offensives Portfolio (z. B. 80/20):

  • 80 % globale Aktien
  • 20 % Anleihen oder Geldmarktnahe Produkte

Diese Aufteilung bleibt langfristig konstant – sie ist deine „strategische Landkarte“.

Schritt 6: ETFs auswählen – worauf es wirklich ankommt

Jetzt erst geht es um die konkreten ETFs – aber ohne Produktwerbung, nur mit Kriterien.

6.1 Wichtige Auswahlkriterien

  • Index: Was bildet der ETF ab? Welt, Region, Branche, Faktor?
  • Replikation: Physisch oder synthetisch? (für Einsteiger meist physisch sinnvoller)
  • Kosten (TER): Je günstiger, desto besser – aber nicht allein entscheidend
  • Fondsvolumen: Zu kleine Fonds können geschlossen werden; ein gewisses Volumen ist sinnvoll
  • Domizil & Steuerregeln: Einfluss auf Quellensteuern und Besteuerung von Ausschüttungen

6.2 Thesaurierend oder ausschüttend?

  • Thesaurierend: Erträge werden automatisch reinvestiert → gut für Vermögensaufbau
  • Ausschüttend: Dividenden/Zinsen werden ausbezahlt → interessant für laufende Einnahmen

Wähle die Variante, die zu deiner Lebensphase und steuerlichen Situation passt.

Schritt 7: Sparplan einrichten – Automatisierung statt Timing

Statt zu versuchen, den „perfekten“ Zeitpunkt zu finden, ist ein ETF-Sparplan oft die beste Lösung.

7.1 Warum Sparpläne so mächtig sind

  • Automatischer Kauf in guten und schlechten Zeiten
  • Entlastung von Emotionen und Timing-Entscheidungen
  • Profit vom Durchschnittskosteneffekt: Bei niedrigen Kursen kaufst du mehr Anteile, bei hohen weniger

7.2 Praxis

  • feste Rate (z. B. 50–500 € monatlich, je nach Einkommen)
  • gleichbleibende Aufteilung auf deine gewählte Strategie (z. B. 70 % Aktien-ETF, 30 % Anleihe-ETF)
  • Anpassung nur bei größeren Lebensveränderungen (Neuer Job, Hauskauf, etc.)

Schritt 8: Rebalancing – Portfolio wieder ins Gleichgewicht bringen

Mit der Zeit verschiebt sich deine Aufteilung, weil verschiedene Anlageklassen unterschiedlich performen.

8.1 Was ist Rebalancing?

Beispiel: Dein Ziel sind 60 % Aktien, 40 % Anleihen. Nach guten Aktienjahren steht dein Depot bei 70 % Aktien, 30 % Anleihen.
Rebalancing bedeutet: Du verkaufst einen Teil der Aktien und kaufst Anleihen nach, um wieder auf 60/40 zu kommen.

8.2 Warum das wichtig ist

  • Du hältst dein Risiko konstant
  • Du nimmst automatisch Gewinne mit und kaufst „relativ günstig“ nach
  • Du verhinderst, dass dein Portfolio unbeabsichtigt immer riskanter wird

Viele Anleger rebalancieren einmal pro Jahr oder bei Abweichungen von z. B. 5–10 Prozentpunkten.

Schritt 9: Steuern und Dokumentation im Blick behalten

ETFs sind steuerlich gut handhabbar, aber einige Grundlagen sollte man kennen.

9.1 Wichtige Punkte (je nach Land leicht unterschiedlich)

  • Besteuerung von Dividenden und Zinsen
  • Besteuerung von Kursgewinnen
  • Freigrenzen / Freibeträge (z. B. Sparerpauschbetrag)
  • Thesaurierung und Vorabpauschalen (falls relevant)

Wichtig ist, dass dein Broker dir übersichtliche Steuerbescheinigungen liefert – so bleibt die Steuererklärung handhabbar.

Schritt 10: Psychologie & typische Fehler – was du vermeiden solltest

Technisch ist ETF-Investieren einfach. Schwer wird es bei den Emotionen.

10.1 Häufige Fehler

  • In der Krise verkaufen („Jetzt wird alles nur noch schlimmer…“)
  • In der Euphorie massiv aufstocken („Es kann nur noch steigen…“)
  • Ständig die Strategie wechseln
  • Zu viele „Spezial-ETFs“/Themen-ETFs beimischen → unübersichtlicher „ETF-Zoo“
  • Tagesnachrichten überbewerten

10.2 Erfolg heißt: Langweilig ist gut

Das ideale ETF-Portfolio ist häufig:

  • relativ simpel
  • langfristig ausgelegt
  • sehr selten geändert

Das Spannende ist nicht das tägliche Kursfeuerwerk, sondern der langfristige Vermögensaufbau über Jahre und Jahrzehnte.

Schritt für Schritt statt Chaos – so gelingt der Start mit ETFs

Der Einstieg in ETFs muss weder kompliziert noch spekulativ sein. Wer systematisch vorgeht – Notgroschen, Ziele, Risikoprofil, Strategie, Depot, ETF-Auswahl, Sparplan, Rebalancing – legt die Grundlage für professionelles, aber alltagstaugliches Investieren.

Du musst keine Märkte vorhersagen, keine Einzelaktien analysieren und keine täglichen Finanznachrichten studieren. Entscheidend ist, dass du:

  • eine sinnvolle Strategie definierst
  • diese konsequent und langfristig durchhältst
  • Emotionen im Zaum hältst

Dann werden ETFs zu einem äußerst wirkungsvollen Werkzeug, um als Privatanleger strukturiert Vermögen aufzubauen.


Hinweis: Die Beiträge aus der 3MinutenCoach-Reihe „Geld verdienen an der Börse“ dienen lediglich der Information und stellen keine Anlageempfehlung dar.

Autor: Redaktion

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