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In einer Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung kommt ein Forscherteam der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Universität zu Köln zu dem Ergebnis, dass die Nutzung fitnessbezogener digitaler Anwendungen langfristig die Einstellung zur Solidarität in der Krankenversicherung negativ verändern kann. Möglicherweise, so die Vermutung der Wissenschaftler, könnte die Corona-Pandemie nun einen gegenläufigen Trend auslösen und die Wertschätzung für ein solidarisches Gesundheitssystem wieder zunehmen.

Die Studie vom Dezember 2019 belegt zwar in der Bevölkerung insgesamt eine hohe Zustimmung für eine solidarisch finanzierte Krankenversicherung. Bei Nutzern entsprechender Apps steigt die Wahrscheinlichkeit jedoch deutlich, das Solidarprinzip in der Krankenversicherung abzulehnen. Offenbar reduziert das zunehmende Wissen und die vermeintliche Kontrolle über individuelle gesundheitliche Vitalwerte die Akzeptanz der Menschen für solidarisch finanzierte Gesundheitssysteme. Die derzeitigen Kontaktbeschränkungen und weitere soziale Distanzierungsmaßnahmen – wie das Tragen von Atemschutzmasken – führen aber jedermann im Alltag deutlich vor Augen, dass Gesundheitsprävention nicht allein eine individuelle, sondern in hohem Maße eben auch eine gesellschaftliche Aufgabe ist. Dass jeder auch für das Wohlergehen der Mitmenschen eine Mitverantwortung trägt.

Hier könnte die Digitalisierung sogar wertvolle Hilfe leisten. Beispielsweise nutzt das Robert-Koch-Institut (RKI) Fitness-Tracker und Smartwatches, um mehr über die Verbreitung des Coronavirus zu erfahren. Die Corona-Datenspende-App des RKI kann durch die Kopplung mit Smartwatches und Fitnessarmbändern typische Covid-19-Symptome erkennen. In Kombination mit Informationen über die Postleitzahl der Nutzenden lassen sich damit regionale Infektionsschwerpunkte identifizieren.

Nach Auskunft des RKI haben seit Anfang April 2020 bereits mehr als 500.000 Menschen ihre Daten freiwillig zur Verfügung gestellt. Offenbar scheint die Bereitschaft der Bevölkerung, ihre Daten für diese Zwecke zu teilen, hoch zu sein, während die Wissenschaftler der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg und der Universität zu Köln in ihrer Befragung vor dem Ausbruch der Pandemie nur moderate Zustimmungswerte für eine Weitergabe von Daten an Krankenkassen fanden. Persönliche und selbst aufgezeichnete Gesundheitsdaten mit den Krankenkassen zu teilen, käme nach der Studie nur für einen kleinen Teil der Bevölkerung (19 Prozent) in Frage. Allerdings waren viele Personen unentschlossen (33 Prozent) und bei schlechterem Gesundheitszustand steigt tendenziell die Bereitschaft, einer Weitergabe der Daten zuzustimmen (28,3 Prozent). Insgesamt könnte die Corona-Krise entsprechend auch in Hinblick auf die Weitergabe von Gesundheitsdaten zu einem Einstellungswandel beitragen.

„Gesundheits- und Fitness-Apps haben bisher den Glauben bestärkt, unsere Gesundheit individuell immer besser steuern zu können und dafür weitgehend selbst Verantwortung zu tragen. Dies könnte sich – ausgelöst durch die Pandemie – ändern, zumal dann, wenn Apps uns als Gesellschaft bei der Prävention helfen. Letztlich könnte dadurch auch der Zuspruch zu einem solidarisch organisierten Krankenversicherungssystem steigen“, so Studienleiter Professor Remi Maier-Rigaud. „Wir freuen uns darauf, den Nutzen und die Risiken von Fitness-Trackern für das Individuum und die Solidargemeinschaft im Herbst 2020 öffentlich vorzustellen.“ Dabei handelt es sich um die geplante Diskussionsveranstaltung „Born to run – Talk im Forum Verantwortung meets Zwischenrufe zur Sozialpolitik“ im Projekt „Campus to World“.

Die Ergebnisse der ersten Studie beruhen auf einer repräsentativen bundesweiten Umfrage unter rund 1.300 Bürgerinnen und Bürgern ab 16 Jahre, die in Zusammenarbeit mit dem Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde.

Quelle: Presseportal.de

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