ABC-Listen für kreatives Denken

Nachts um 3 Uhr verlasse ich den Club und gehe zu meinem Auto, um nach Hause zu fahren. Es schneit schon seit Stunden und bei meinem Auto angekommen, bin ich geschockt. Das Auto ist vollkommen mit Schnee bedeckt – an allen Seiten. Ich bin auf den schnellen Wintereinbruch aber gar nicht vorbereitet. Keine Schneebürste, kein Eiskratzer … Total überfordert setze ich mich ins Auto und versuche verzweifelt, eine Lösung zu finden. Nach ein paar Minuten krame ich ein Blatt Papier unter dem Autositz hervor und mache eine ABC-Liste zum Thema Auto. Ich lese die fertige Liste durch … Parkuhr, Erste-Hilfe-Kasten … Zwei Gegenstände, die man doch gut als Eiskratzer und Schneeschaufel benutzen kann! Meine Heimfahrt ist gerettet.

ABC-Listen wurden von Vera F. Birkenbihl entwickelt und können in allen Bereichen des Lebens als Denk- und Kreativitätswerkzeug eingesetzt werden. Elizabeth Loftus hat vor Jahrzenten durch zahlreiche Studien herausgefunden, dass wir Menschen Informationen und Wörter in unserem Gehirn mit dem Anfangsbuchstaben „aufhängen“. Deshalb fällt es uns mit ABC-Listen leichter, Wissen aus dem Unterbewusstsein hervorzuholen als durch traditionelles Brainstorming ohne Strukturen.

Um eine ABC-Liste zu erstellen, schreiben Sie das Thema, zu dem Sie Informationen und Ideen sammeln möchten, am oberen Rand eines Zettels oder eines elektronischen Dokumentes auf. Danach listen Sie das Alphabet vertikal auf. Rechts der Buchstaben sollte noch genügen Platz für ein paar Wörter sein. Nun beginnen Sie, innerhalb von 2 bis 3 Minuten alles aufzuschreiben, was Ihnen zu dem Thema einfällt.

ABC-Listen können zu jedem Thema erstellt werden. Jeder kann sie verwenden, denn man muss nur zwei leicht verständliche Regeln beim Kreieren befolgen:

Mit den Augen rauf und runter!

Wandern Sie mit Ihren Augen das Alphabet auf und ab. Wo immer Ihnen etwas einfällt, schreiben Sie Ihre Assoziationen nieder. Sie fangen also irgendwo auf der Liste an, es kann das „A“ sein oder eine andere Stelle des Alphabets. Durch das Auf-und-ab-Wandern fallen Ihnen automatisch die wichtigen Informationen, Assoziationen, Ausdrücke, Ideen etc. zum Thema ein. Dadurch ziehen Sie Ihr Wissen direkt aus dem Unterbewusstsein – auch Wissen, von dem Sie gar nicht ahnen, dass Sie es besitzen! Eben Unterbewusstes. Wiederholen Sie diesen Prozess so oft, bis Ihnen nichts mehr einfällt oder die Zeit um ist. Setzen Sie ein Zeitlimit; optimal sind 2 bis 3 Minuten.

Lücken oder Mehrfacheinträge sind erlaubt!

Die Zeit der Schularbeit oder Multiple Choice Tests ist vorbei! Bei der ABC-Listen-Technik ist es erlaubt, dass Sie auch Zeilen leer lassen. Fallen Ihnen mehrere Assoziationen ein, dann schreiben Sie alle in die Zeile des betreffenden Buchstabens. Sollten Sie mehr Platz brauchen, nehmen Sie einfach eine zweite Liste dazu.

Literale Arabesce, eine verfeinerte Technik

Das ist eine Technik für ABC-Listen-Fortgeschrittene, die weitere Produktivität bringt und für alle empfehlenswert ist, die weitergehen möchten.

Wenn Sie ABC-Listen in einer Gruppe anwenden, also typischerweise als Ersatz für klassisches „Brainstorming“, oder wenn es um Themen geht, die größere Aufgaben betreffen, wiederholen Sie diese ABC-Technik-Sitzungen mehrmals mit zeitlichem Abstand dazwischen. Beispielsweise, wenn Sie eine neue Unternehmensstrategie erarbeiten möchten, ein Mal pro Woche für mindestens 4 bis 5 Wochen. Das kann im Zuge eines „normalen“ Meetings erfolgen, da es ja nur 2 bis 3 Minuten in Anspruch nimmt. Der Teamleiter sammelt dann die ABC-Listen der Teilnehmer ein und konsultiert diese sukzessiv.

ABC-Listen sparen „gewaltige“ Summen für Beraterinnen und Berater und die Zeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wobei der Erfolg wesentlich besser sein wird! Wenn Sie die Ergebnisse einer Gruppe oder eines Teams zusammenfassen, also konsultieren, dann werden Sie überraschend holistische Ergebnisse erzielen und darüberhinaus sind auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer motivierter, denn jeder hat seinen Beitrag zum Gesamtergebnis geleistet.

Sie können aber auch für sich selbst mehrere Listen zu unterschiedlichen Themen über längeren Zeitraum hinweg anlegen. Wann immer Sie Zeit haben oder Ihnen gerade was einfällt, gehen Sie mit den Augen rauf und runter und schreiben neue Assoziationen dazu. Dadurch bauen Sie eine Wissenssammlung auf.

Die ABC-Klick-Technik für kreatives Denken

Bisher haben wir die Anwendung der ABC-Klick-Technik als Brain Tool, das uns ermöglicht, Wissen aus dem Unterbewusstsein zu ziehen, kennengelernt. Dieselbe Technik kann aber auch für verschiedene andere Bereiche angewendet werden.
So können Sie zum Beispiel wirklich kreatives Denken entwickeln und fördern. Damit meinen wir nicht Grafiker, die ein neues Prospekt entwerfen und sich als „kreativ“ bezeichnen, obwohl sie es häufig gar nicht sind. Mit Kreativität, und wir sprechen hier von sogenannter „bi-soziativer“ Kreativität, ist gemeint: das Verbinden von mindestens zwei Wissensgebieten zu einer neuen Entwicklung. Das können Gedanken oder Denkmodelle bis hin zu neuen technischen Entwicklungen sein.

Durch die Verwendung von ABC-Listen sammelt man Assoziationen. Birkenbihl definiert Assoziationen als „alte Verbindungen“ in unserem Wissensnetz. Man kann also nur Dinge assoziieren, die man weiß oder kennt. Wenn man zu einem Thema nichts weiß, hat man eine Lücke im Wissensnetz. Wenn man wenig Wissen dazu hat, beschreibt Birkenbihl das Wissen als „Mücke“. Wenn man mehr zu einem Thema weiß, ist es mit „Mückenschwärmen“ vergleichbar. Diese „Mücken“ werden beim assoziativen Denken miteinander verbunden. Das passiert auch beim Anlegen von ABC-Listen und erfolgt im Laufe der Zeit, also wenn Sie es oft genug geübt haben (Zitat Birkenbihl: „Von nichts kommt nichts!“), automatisch, also intuitiv. Diese Art zu denken ist anfangs zwar ungewohnt, jedoch stellt man seine Denkweise mit der Zeit um – kreatives und assoziatives Denken fällt Ihnen bald um ein Vielfaches leichter.

Konsultieren der ABC-Listen

Listen konsultieren (Konsultation: lateinisch für „aufsuchen eines Arztes zur Beratung“, Quelle: Wikipedia) bedeutet, dass mehrere Listen, die zum Beispiel von einer Gruppe erstellt wurden, zu einer Liste zusammengeführt werden.
Mehrfachnennungen werden zu einer Assoziation zusammengezählt. Sie können auch die Anzahl an Nennungen in Klammern dazuschreiben und haben damit auch eine Gewichtung. Unterschiedliche Assoziationen mit derselben oder einer artverwandten Aussage können Sie in Kategorien zusammenfassen. Damit entsteht ein Wissenspool, der verantwortlichen Personen essentielle Entscheidungshilfen liefert; der allen Beteiligten Einsicht in komplexe Themen und Situationen gibt; der Basis für Neues, Zukünftiges liefert und letztendlich das Leben erleichtert.

Vera F. Birkenbihl erklärt ABC-Listen als Denk- und Kreativitätswerkzeug im Detail in ihren Seminaren.

Über die Autorin:

Katharina Leitner, BA, ist Marketingmitarbeiterin bei BIZZONS eMarketing GmbH. Ihre Sprachen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Chinesisch, Italienisch (im Aufbau).

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